Liebe Artenschützerin, lieber Artenschützer,
schon vor fast 50 Jahren erschien 1962 in den USA die Erstausgabe von "Silent Spring" (Der stumme Frühling). Darin warnt die Zoologin, Biologin und Wissenschaftsjournalistin Rachel Carson vor den Folgen eines übermäßigen Eingriffs von uns Menschen in die Natur. Sie warnt vor dem Artenrückgang, insbesondere bei Vögeln, durch die Unterbrechung der natürlichen Nahrungskette. Es war ein erster Weckruf, dem viele weitere folgten. Bis heute.
Denn noch immer ist der Artenschwund, selbst vertrauter Wiesen- und Feldvögel, alarmierend. Selbst Allerweltsarten wie die Feldlerche befinden sich nicht nur im Sink- sondern im Sturzflug. Klar ist: Insekten und Bienen steht zu wenig intakte Natur als Lebens- und Schutzraum zur Verfügung. Hier setzt unsere Aktion an: Wir möchten darüber informieren, wie wir als Umweltministerium durch unsere Aktivitäten für Insektenschutz aktiv sind. Und wir möchten zeigen, was jede und jeder selber tun kann.
Denn Insekten sind ein so wichtiger Teil der biologischen Vielfalt. Sie spielen in unserem Ökosystem eine elementare Rolle, auch für die Bestäubung von Pflanzen, als Nahrungsgrundlage für andere Insekten und weitere Tiergruppen oder die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Gibt es weniger Insekten und Insektenarten, ist das schlecht für uns Menschen. Was viele nicht wissen: Die in Deutschland vorkommenden - aber bedrohten - über 560 Wildbienenarten sind durch Spezialisierung und Anpassung oftmals effektivere Bestäuber als Honigbienen und bestäuben Süß- und Sauerkirsche.
Also: Wir wollen Sie anregen, für den Schutz von Insekten selber aktiv zu werden. Sie finden hier deshalb auch Hinweise, wo in Ihrer Nähe ein Blumensaat-Mobil unterwegs ist (mit einer Tüte Saaten für Sie). Selbstverständlich können Sie diese Tüte auch bei uns bestellen. Machen Sie mit, helfen Sie uns beim Artenschutz.
Fakten zum Artenschwund
- 2017 publizierte der Entomologische Verein Krefeld in einer Fachzeitschrift seine über Jahrzehnte erhobenen Daten Über einen Untersuchungszeitraum von 27 Jahren wurden Insektenerhebungen in 63 deutschen Schutzgebieten durchgeführt und die Biomassen aller flugfähigen Insekten über ein normiertes Verfahren gewogen. Dabei wurde ein Rückgang der Insektenbiomasse von durchschnittlich 76 % festgestellt
- 2019 | UN-Bericht: Die Zahl der Vögel in Deutschland und Europa geht dramatisch zurück. Insgesamt ist demnach in der EU die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, das ist ein Minus von 57 Prozent.
- In Deutschland hat etwa der Bestand der Kiebitze zwischen 1990 und 2016 um 93 Prozent abgenommen, die Zahl der Braunkehlchen um 65 Prozent, die der Uferschnepfen um 78 Prozent und die der Feldlerchen um 55 Prozent. Ein Drittel aller Vogelarten zeigte seit Ende der 1990er-Jahre "signifikante Bestandsabnahmen"
Überblick des Bundesumweltministeriums zum Artenschutz
Fragen und Antworten des Bundesumweltministeriums zur biologischen Vielfalt
Was wir tun
Weitere Initiativen des Umweltministeriums
- Insektenschutz-Projekt „Via Natura“: Zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesumweltminsterium, sollen in den nächsten Jahren 5,7 Millionen Euro für blühende Feldraine zur Verfügung gestellt werden.
- Aussaat von Blühflächen auf von Feldmäusen geschädigten Rapsflächen: Bereits zum zweiten Mal vom Umweltministerium mit 962 Euro pro Hektar unterstützt.
- https://natura2000-thueringen.de: Unsere Netzwerker für den Naturschutz, die 12 Natura 2000-Stationen in Thüringen. Ansprechpartner für Landwirtschaft, Forst, Kommunen & Umweltbildung
Was Sie tun können
- Nutzen Sie unser Samentüten-Angebot (oder andere ähnliche Angebote): Egal ob auf dem Balkon, auf dem Fensterbrett, am Haus, im Garten: Verschönern Sie Ihre Umgebung mit einem Nutzen für Alle: Mit Blütenpflanzen (etwa Malven, Wiesensalbei, Akelei, ungefüllte Rosen, Lavendel, Katzenminze, Melisse) oder Küchenkräuter (Oregano, Salbei, Thymian). Verzichten Sie bei der Pflege auf Pflanzenschutzmittel
- Weniger Versiegelung & der Verzicht auf Schottergärten helfen. Verwandeln Sie Vorgärten möglichst in eine Oase für Insekten. So einfach werden Sie Artenschützer*in.
Wissenswertes über (Wild-)Bienen und Insekten
Warum Insekten und (Wild-)Bienen wichtig sind
- Wild und Honigbienen bestäuben mehr als 75% aller Nutz- und Kulturpflanzen in Europa
- Insekten und Bienen bestäuben medizinische Heilpflanzen
- Insekten dienen Vögeln als Nahrung und bilden damit eine Basis der Nahrungskette
- Wildbienen- und Insektenvielfalt bedeutet Biodiversität für Tiere und Pflanzen
- Biodiversität verbessert die Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderungen
Fakten, Fakten, Fakten – unsere (Wild-)Bienen
900 Mal um die Erde: Bis zu 50 Kilometer pro Stunde - so schnell kann eine Sammlerin fliegen. Auf der Suche nach Nektar entfernen sich die Sammlerinnen mehrere Kilometer vom Stock. So bringt es ein Honigbienenvolk während eines Jahres auf insgesamt bis zu 36 Millionen Flugkilometer. Das entspricht nicht weniger als 900 Erdumrundungen.
Eine Biene sieht nie Rot:
Bienen sehen kein Rot. Dafür nehmen sie Farben im Ultraviolett-Bereich wahr, die wir nicht sehen können. Sie erkennen Farbmuster auf den Blütenblättern, die ihnen gewissermassen den Landeplatz anweisen. Rapsblüten beispielsweise, die für uns gelb sind, sehen für Bienen gemustert aus.
BEE Wild: In Europa ist etwa jede zehnte Wildbienenart vom Aussterben bedroht – um diese Arten geht es, wenn von «Bienensterben» die Rede ist. Die Honigbiene ist eine vollkommen vom Menschen domestizierte Art, die nicht vom Aussterben bedroht ist.
100.000 Kilometer: Für ein Kilo Honig muss ein Honigbienenvolk drei bis fünf Millionen Blüten anfliegen und legt dabei insgesamt ca. 100.000 Flugkilometer zurück
Wildbienen- und Erdhummel-Zuhause: Die Schneckenhausbiene legt ihr Ei jeweils in ein leeres Schneckenhaus und tarnt dieses dann noch mit Grashalmen. Die Glockenblumen-Scherenbiene: Vor allem die Männchen schlafen regelmäßig in Glockenblumen, sie nutzen diese aber auch als Nektarquellen zur Eigenversorgung. Die Mohn-Mauerbiene bedeckt die Wände des Hohlraumes mit Stücken, die von Mohnblütenblättern abgeschnitten wurden. Die Erdhummel baut ihre Nester gerne in verlassenen Mäuselöchern.
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