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Umweltminister Tilo Kummer: „Wir räumen die Landschaft auf“ Medieninformation – Erstes Projekt aus dem Thüringer Entsiegelungsfonds im Schlosspark Altenstein


Erstellt von Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten

Heute wurde das erste Vorhaben des neu angelegten Thüringer Entsiegelungsfonds offiziell vorgestellt: Der Rückbau des alten Waldhotels im Schlosspark Altenstein.

Abriß & Entsiegelung Waldhotel "Am Schloßpark", Bad Liebenstein
Abriß & Entsiegelung Waldhotel "Am Schloßpark", Bad Liebenstein

Der bislang in Deutschland einmalige Fonds soll einen Beitrag zur angestrebten Netto‑Null‑Versiegelung leisten – dabei sollen Entsiegelungen (z. B. Rückbau von Straßen und befestigten Flächen) Neuversiegelungen ausgleichen.

Umweltminister Tilo Kummer erklärt: „Wir räumen die Landschaft auf. Mit dem Fonds schaffen wir eine weitere Voraussetzung für die angestrebte Netto‑Null‑Versiegelung – auch im Zusammenhang mit Wohnungs‑ oder Gewerbeentwicklung. Mit mehr Entsiegelung tragen wir gleichzeitig dazu bei, dass weniger landwirtschaftliche Nutzfläche für Ausgleichs‑ und Ersatzmaßnahmen bei Neubauten beansprucht wird.“

Der Rückbau des alten Waldhotels soll nach aktuellem Stand im September 2026 beginnen. Für die Arbeiten sind insgesamt acht Wochen vorgesehen. Vorher darf wegen des Schutzes von Brutvögeln nicht begonnen werden. Die Rückbaufläche beträgt rund 1 800 m² für das Gebäude und zusätzlich 370 m² für Wegeflächen. Bestmögliches Recycling ist Teil der Planung. Bei den auf etwa eine halbe Million Euro geschätzten Kosten beteiligt sich die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten mit 100 000 Euro.

Der 160 Hektar große Landschaftspark ist Thüringens größter Landschaftspark und frei zugänglich. Umweltminister Tilo Kummer stellte das Projekt u. a. mit Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Kathrin Weiß, Geschäftsführerin der Thüringer Landgesellschaft, und Susanne Rakowski, Bürgermeisterin von Bad Liebenstein, vor.

Das Umweltministerium hat den Entsiegelungsfonds bei der Thüringer Landgesellschaft (ThLG) eingerichtet und stellt dafür insgesamt 10 Millionen Euro zur Verfügung, die aus einem vom Land gewonnenen Rechtsstreit um das alte Teerverarbeitungswerk Rositz‑Schelditz stammen. Die Mittel werden von der ThLG treuhänderisch verwaltet und für Entsiegelungsmaßnahmen eingesetzt.

ThLG‑Geschäftsführerin Kathrin Weiß ergänzt: „Mit diesem ersten Projekt wird eine Anschubfinanzierung in Gang gesetzt, die weitere Entsiegelungen in anderen Landkreisen Thüringens vorantreibt. Perspektivisch soll mit dem revolvierenden Fonds ein dauerhafter Kompensationsflächen‑Pool aufgebaut werden.“

So funktioniert der Entsiegelungsfonds grundsätzlich:

  • Landkreise, Kommunen und andere öffentliche Einrichtungen in Thüringen können sich mit Projektvorschlägen an die ThLG wenden. Im Fokus stehen Flächen im öffentlichen Eigentum. Die ThLG startet einen Auswahlprozess für geeignete Entsiegelungsflächen; nach der Projektauswahl unter Berücksichtigung vordefinierter Kriterien beginnen die Detailplanungen.
  • Die ThLG beauftragt Fachfirmen, die ausgewählten Flächen möglichst effizient zu entsiegeln. Je nach den konkreten Rahmenbedingungen sollen die Eigentümer bis zu 20 % Eigenanteil einbringen. Zusätzlich werden Fördermöglichkeiten geprüft, um die Maßnahmenkosten zu reduzieren.
  • Unternehmen bzw. Vorhabenträger mit Versiegelungsabsichten (z. B. der Bau einer neuen Produktionshalle) können sich an die ThLG wenden. Da Baumaßnahmen von Unternehmen kompensiert werden müssen, werden bereits entsiegelte Flächen als Kompensation anerkannt und im Genehmigungsverfahren dem Bauvorhaben zugeordnet.
  • Die Zahlung des Unternehmens für die vorgezogene Kompensation fließt in den Fonds zurück und steht dann wieder für neue Entsiegelungsmaßnahmen zur Verfügung.

Durch diesen Ablauf entsteht eine Win‑Win‑Situation: Unternehmen müssen für die Entsiegelungsmaßnahmen nicht selbst aktiv werden. Es entfällt die aufwändige Flächenrecherche, die Beauftragung von Abrissunternehmen sowie die eigentlichen Abriss‑ und Renaturierungsarbeiten. Durch die Vorleistung der Entsiegelung wird ein Naturwert im Voraus geschaffen: Landwirtschafts‑, Wald‑ und Naturflächen werden zurückgewonnen. Der Fonds der ThLG ist mit den Zahlungen der Vorhabenträger „revolvierend“ – er füllt sich also wieder auf. Entsiegelungsmaßnahmen können thüringenweit räumlich verteilt sein, um in jeder Region angeboten zu werden.

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