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Thüringer Delegation informierte sich zu innovativer Tiefengeothermie-Technologie in Bayern


Erstellt von Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten

Am Mittwoch, 18. Februar, reisten Expertinnen und Experten des Thüringer Energieministeriums gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern kommunaler Energieversorger aus Gera und Jena, einem Hydrogeologen der TU Bergakademie Freiberg sowie zwei Vertretern einer Meininger Bürgerinitiative nach Geretsried in Südbayern.

Delegation unterwegs zum Thema Tiefengeothermie

Sie informierten sich vor Ort über ein neuartiges Verfahren der Tiefengeothermie und dessen Potenziale zur Wärme- und Energiegewinnung für Thüringen.

In Geretsried wird ein in Deutschland bislang einzigartiger Ansatz verfolgt. Dort entsteht in rund 4.500 Metern Tiefe ein geschlossenes unterirdisches Röhrensystem. Eine zirkulierende Flüssigkeit nimmt die Wärme aus dem Gestein auf und transportiert sie an die Oberfläche. Die Anlage soll große Teile der Umgebung mit Fernwärme versorgen. Derzeit wird bereits aus einer ersten fertiggestellten Schleife („Loop“) Strom erzeugt.

Energieminister Tilo Kummer: „Die Tiefengeothermie bietet große Chancen für eine sichere, klimaneutrale Wärmeversorgung. Vor allem wenn wir uns zunehmend selbst versorgen und unabhängiger von Energieeinfuhren werden wollen. Gleichzeitig bestehen noch offene Fragen, etwa zur Übertragbarkeit geologischer Bedingungen auf Thüringer Standorte, zu technischen Risiken, zu Wirtschaftlichkeit und zu Akzeptanzfragen in der Bevölkerung. Mir ist besonders wichtig, dass wir nicht nur mit Fachleuten sprechen, sondern schon in einem frühen Stadium die Menschen einbeziehen, die Fragen und Sorgen bezüglich möglicher Risiken haben. Ich bin dankbar dafür, dass sich Vertreter der Meininger Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie an der Exkursion beteiligen und den Dialog aktiv suchen. Die Reise nach Geretsried ist bewusst als Informations- und Sondierungsbesuch angelegt. Wir wollen damit gut vorbereitet sein, wenn neue Technologien den Schritt von der Forschung in die praktische Anwendung schaffen.“

 

Hintergrund Tiefengeothermie

Tiefengeothermie nutzt die in mehreren Kilometern Tiefe vorhandene Erdwärme zur klimaneutralen Energieversorgung. Anders als oberflächennahe Geothermie, die vor allem einzelne Gebäude beheizt, kann Tiefengeothermie ganze Stadtteile oder Städte mit Wärme versorgen und zusätzlich Strom erzeugen. Sie steht ganzjährig und wetterunabhängig sowie unabhängig von Rohstoffen aus Drittländern zur Verfügung und gilt daher als vielversprechender Baustein einer nachhaltigen Energie- und Wärmeversorgung

 

Perspektiven in Thüringen

Gera, Jena und Erfurt prüfen entsprechende Optionen. In Erfurt werden demnächst geophysikalische Messungen zur Erkundung des tiefen Untergrundes durchgeführt. Diese sollen nach aktuellen Planungen für das Jahr 2028 durch eine rund 5,5 Kilometer tiefe Erprobungsbohrung ergänzt werden. Perspektivisch sollen dort mehr als 40.000 Haushalte mit Fernwärme auf Basis der Tiefengeothermie versorgt werden.

Die Kosten solcher Projekte sind heutzutage durchaus erheblich: Allein eine Probebohrung kann rund 40 Millionen Euro kosten, das Gesamtinvestitionsvolumen liegt schnell im Bereich mehrerer hundert Millionen Euro. Eine Umsetzung gerade im Hinblick auf eine spätere, breitere Anwendung wird daher nur mit Unterstützung von Bund und Europäischen Förderprogrammen realistisch sein. Ziel bleibt dabei immer, die Kosten für die Wärme für den Verbraucher stabil zu halten.

 

 

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