Seitenbeginn Zur Hauptnavigation Zum Seiteninhalt

Biber (Castoridae)

  • Wissenschaftlicher Name:

    Castor fiber

    Ordnung:

    Nagetiere (Rodentia)

    Gewicht:

    bis 25-30 kg

    Gesamtlänge (mit Kelle):

    bis 1,35 m

    Kopf-Rumpf-Länge:

    bis 1 m

    Länge der Biberkelle:

    bis 35 cm

    Ernährung:

     

    Pflanzenfresser:
    Frühjahr bis Herbst:  Gräser, Kräuter, Wasserpflanzen, Rinde und Blätter frischer Gehölztriebe
    Herbst bis Frühjahr: Rinde und Zweige von Gehölzen

    Lebensweise:

    dämmerungs- und nachtaktiv; den Tag verbringen Biber in Biberburgen oder Erdbauen

    Charakteristische Merkmale:  

    Biberkelle, der fast unbehaarte, beschuppte, hintere Teil des Schwanzes

     

  • Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Biber fast in ganz Deutschland ausgerottet. Ab 1850 galt die Art in Thüringen als verschollen. Seit dem Jahr 2007 gibt es nachweislich wieder Biber in Thüringen. Seither wandert der Biber im Freistaat wieder in seine angestammten Lebensräume ein.

    Seit 2007 gab es in allen Thüringer Landkreisen Nachweise von Bibern. Als letzten Landkreis besiedelte der Biber erst Mitte 2024 das Altenburger Land wieder. Für das Monitoringjahr 2025/26 (Mai - April) geht man von etwa 320 Biberrevieren in Thüringen aus. Da man pro Revier mit durchschnittlich drei bis vier Tieren rechnet, wird die Population im Freistaat auf circa 1.100 Biber geschätzt.

  • Biber sind dämmerungs- und nachtaktiv. Den Tag verbringen sie in selbst angelegten Bauen, die von einem einfachen und unscheinbaren Erdbau bis hin zur meterhohen Biberburg alle Formen haben können.

    Biber leben im und am Wasser und sind hervorragend daran angepasst. Das dichte Fell - mit bis zu 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter eines der dichtesten im Tierreich - wird mit einem Drüsensekret wasserdicht gehalten und wärmt den Biber selbst im Winter. Für den Antrieb des spindelförmigen Körpers beim Schwimmen sorgen die großen, mit Schwimmhäuten versehenen Hinterfüße. Die Vorderfüße sind klein, aber geschickt und mit dem kleinen Finger, der den anderen Fingern gegengestellt werden kann, können Biber richtig zupacken.

    Biber haben ein besonders angepasstes Gebiss mit dem sie in der Lage sind, auch dicke Bäume zu fällen. Die ständig nachwachsenden Schneidezähne bestehen aus zwei unterschiedlich harten Schichten. Durch die schnellere Abnutzung der hinteren, weicheren Schicht bleibt die vordere, härtere Schicht immer als scharfe Schneidekante.

    Biber leben in Familienverbänden, die normalerweise aus dem Elternpaar und den Jungtieren der letzten beiden Jahre bestehen. Die Paarungszeit der Biber ist im Januar und Februar. Nach dreieinhalb Monaten werden meist zwei bis drei Jungtiere geboren. Diese bleiben zwei Jahre in der Familie, bevor sie abwandern und sich ein eigenes Revier und einen Partner suchen.

    Biber leben in einem Reviersystem. Ein Revier ist durchschnittlich 1,5 km lang und wird von einer Familie besetzt. Die Größe des Reviers hängt dabei von der Nahrungsverfügbarkeit ab, d. h. wenn nur wenig Nahrung vorhanden ist, kann ein Biberrevier auch bis zu 6 km des Gewässers einnehmen. Wenn alle Reviere in einem Flusssystem besetzt sind, zieht ein wandernder Biber auch streckenweise über Land, um in einen anderen Fluss oder auch ein Stillgewässer zu wechseln. Dabei kann es vorkommen, dass die Jungbiber lieber am Tag wandern, um den Artgenossen in fremden Revieren auszuweichen.

  • Die Rückkehr des Bibers nach Thüringen ist eine Erfolgsgeschichte für den Artenschutz. Der Biber besitzt eine enorme Gestaltungskraft, die sich positiv auf zahlreiche Tier- und Pflanzenarten auswirken kann. Biberdämme können reine Fließgewässer in ein System aus unterschiedlich großen Teichen und dazwischenliegenden Fließgewässerstrecken verwandeln. Diese werden vielerorts von Vögeln, Amphibien oder Libellen als neuer Lebensraum besiedelt. Das vom Biber gefällte Totholz bietet Lebensraum für Pilz- und Insektenarten, die wiederum anderen Arten, wie beispielweise Vögeln, als Nahrung dienen und sich auch positiv auf die Fischfauna auswirkt.

    Sobald die Biberaktivitäten enden oder unterbunden werden, folgte in vielen Fällen ein schneller Bestandsrückgang der angesiedelten Arten. Der Schutz der Biber ist also relevant für den Erhalt vieler Biotopstrukturen.

    Der Biber wirkt sich jedoch nicht nur positiv auf andere Arten aus, auch aus wasserwirtschaftlicher Sicht leistet er wertvolle Revitalisierungsaufgaben.  Der Biber schafft Stillgewässer, Flachwasserzonen und Kleinbäche, was zu einer erheblichen Abflussverzögerung führt und einen lokalen Rückhalteraum bei Hochwassern schafft.

    Auch für das Grundwasser sind Biberteiche gut. Weil das Wasser hinter den Biberdämmen gestaut wird, steigt der Grundwasserspiegel im Umland, was insbesondere in Trockenzeiten positive Auswirkungen - nicht nur für die Landwirtschaft - haben kann

  • Die aktive Lebensraumgestaltung durch Biber ist aus Sicht des Naturschutzes und des Wasserhaushalts positiv zu sehen. Sie kann aber auch konfliktträchtig sein, wenn Biber in der stark von Menschen genutzten Kulturlandschaft wirken. Ziel des Bibermanagements in Thüringen ist es einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen menschlichen Interessen und den Bedürfnissen der Biber zu finden. Dabei geht es hauptsächlich darum das Zusammenleben mit der Art nach ihrer langen Abwesenheit möglichst konfliktarm zu gestalten. Biberaktivitäten wie Fraß an Feldfrüchten, Gehölzfällungen, Grabungen und Dammbau können den menschlichen Interessen entgegenstehen. Zur Vermeidung und Lösung von Konflikten kann sich die Bevölkerung an die unteren Naturschutzbehörden und die Gewässerunterhaltungsverbände wenden.

    Geschulte BiberberaterInnen unterstützen bei der fachkundigen Beratung und Information, der Prävention sowie der Schadensbegutachtung. Sie verfügen über Kenntnisse zur Biologie, Ökologie, den Konfliktpotentialen sowie den dafür geeigneten Lösungsmöglichkeiten. 

    In der Summe hat die Art – trotz des vorhandenen Konfliktpotentials - einen außerordentlich hohen naturschutzfachlichen Nutzen und einen unschätzbaren ökologischen Wert.

Meldung zum Biber

Mail senden

Fragen & Antworten

  • Der Biber ist auf Anhang II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet und steht damit europaweit unter Schutz. Als „streng geschützte Art“ besteht nach §44 BNatschG ein Zugriffs-, Besitz- und Vermarktungsverbot. Es ist strafbar den Biber zu fangen, zu verletzen, zu töten oder erheblich zu stören. Auch die Fortpflanzungs- und Ruhestätten der Biber stehen unter Schutz. Die Beschädigung oder Zerstörung von Dämmen oder Bauen von Bibern ist strafbar.

    In begründeten Einzelfällen kann die zuständige Untere Naturschutzbehörde Ausnahmegenehmigungen zur Entnahme von Bibern oder deren Lebensstätten erteilen.

  • Biber hinterlassen in ihren Lebensräumen sehr charakteristische Spuren anhand derer man die Anwesenheit der Art gut erkennen kann.

    Nagungen

    Als reine Pflanzenfresser ernähren sich Biber unter anderem von Baumrinde. Nagungen durch Biber sind in den meisten Fällen an ca. 8 cm langen, paarweise auftretenden Rillen erkennbar. In der direkten Umgebung ist der Boden meist mit Holzspänen bedeckt.

    Dicke Stämme nagen Biber rundherum ab, dadurch entstehen Formen, die an eine Sanduhr erinnern.

    Biberbaue und -burgen

    Als dämmerungs- und nachtaktive Tiere verbringen Biber den Tag in Wohnkesseln in Biberburgen oder -bauen. Biberburgen können viele verschiedene Formen aufweisen. Häufig wirken sie wie ein Hügel aus aufgeschichtetem Schnittgut. Der Eingang einer Biberburg befindet sich unterhalb der Wasseroberfläche und ist im Normalfall nicht sichtbar. Dies ist auch bei Erdbauen der Fall. Dabei graben die Biber Röhren und Wohnkessel in das Gewässerufer. 

    Stürzt die Decke eines Erdbaus ein, so reparieren die Tiere dies mit Ästen und Schlamm. Dabei entstehen deutlich erkennbare Asthaufen. Das entstandene Bauwerk bezeichnet man als Mittelbau.

    Weitere Spuren

    Zum Verlassen oder Betreten eines Gewässers nutzen Biber zumeist die gleiche Stelle. Bei dauerhaften Ansiedlungen von Bibern sind daher häufig schmale, häufig vegetationslose Wege die direkt zum Gewässerufer führen zu sehen. Diese nennt man auch Biberpfade oder –wechsel.

    Biberdämme

    Zum Tauchen benötigen Biber eine Wassertiefe von mind. 80 cm. Um diese Tiefe zu erreichen bauen Biber aus Baumstämmen, Ästen, Steinen und Schlamm Dämme in Fließgewässer. Damit stauen sie das Gewässer bis zum gewünschten Wasserstand an. Die Wassertiefe ist auch wichtig, um den Eingang ihres Baus bzw. ihrer Burg vor Eindringlingen zu schützen.

    Fußspuren

    Im Schnee oder auf matschigen Untergründen sind häufig Fußabdrücke von Bibern sichtbar. Die Vorderpfoten sind circa 6 cm lang und 5 cm breit und damit deutlich kleiner als die Hinterpfoten mit circa 16 cm Länge und 10 cm Breite. Im Gegensatz zu den Hinterpfoten haben die Vorderpfoten keine Schwimmhäute zwischen den fünf Zehen. Ein eindeutiges Erkennungsmerkmal des Bibers ist eine schlängelnde Linie auf dem Untergrund. Diese entsteht durch die Biberkelle.

    Weitere Spuren

    Intensiv genutzte Ein- und Ausstiegsstellen am Gewässerufer werden auch als „Biberrutschen“ bezeichnet.

  • Zwischen diesen drei Arten kommt es häufiger zu Verwechslungen. Das markanteste Unterscheidungsmerkmal ist die Körpergröße der Tiere.  Ein ausgewachsener Biber ist mit ca. 1 m Körperlänge das Größte der drei Nagetiere. Mit 45-65 cm Körpergröße ist das Nutria, ebenso wie der Bisam mit 25-35 cm, deutlich kleiner.

    Charakteristisch für den Biber ist seine „Kelle“ der breite, schuppige und flache Schwanz der Tiere. Nutrias haben dagegen einen rundlichen Schwanz. Der Schwanz des Bisams ist rund mit abgeflachten Seiten.

    Im Gegensatz zu Biber und Bisam haben Nutrias weiße Barthaare und sichtbar hervortretende Ohren.

  • Über die App "Meine Umwelt" können Hinweise zu Bibervorkommen gemeldet werden. Dazu zählen Sichtungen von Bibern oder Spuren von Biberaktivitäten, wie Nagungen, Dämme oder Biberburgen wie oben beschrieben.

    Alternativ können Sie gerne auch eine E-Mail mit den Koordinaten des Fundpunkts, dem Beobachtungsdatum und – falls vorhanden - einem Foto an kompetenzwbl@tmuen.thueringen.de schicken.

    Wir freuen uns sehr über Ihre Hilfe!

  • Aktuell erarbeitet das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz einen Managementplan für den Biber. Dieser soll sowohl ein Bewusstsein für mögliche Konfliktbereiche schaffen, als auch unbürokratische und bürgernahe Wege zum Umgang mit der geschützten Art aufzeigen. Hierbei steht in erster Linie die frühzeitige Konfliktprävention im Vordergrund, um durch den Biber verursachte Schäden möglichst zu verhindern oder deutlich zu verringern. Über die Richtlinie Biber kann zukünftig finanzielle Unterstützung bei der Durchführung von Präventionsmaßnahmen sowie der Beseitigung von Schäden beantragt werden.

  • Zentrale Anlaufstelle für die Unterstützung der Bevölkerung und Landnutzenden vor Ort ist die untere Naturschutzbehörde (UNB) des betreffenden Landkreises. Die UNB nimmt Meldungen zu Konflikten und Schäden entgegen und stellt situationsbedingt die Einbindung der weiteren Beteiligten, wie dem zuständigem Gewässerunterhaltungsverband, sicher. Durch eine möglichst frühzeitige Meldung von Biberhinweisen können Präventionsmaßnahmen eingeleitet und Konflikte verhindert werden. Die Kontaktdaten der UNBn finden Sie nebenstehend.

    Zusätzlich sollten sämtliche Entwicklungen fotografisch dokumentiert werden, um möglichst genau die Entwicklung vor Ort nachvollziehen zu können.

  • Biber sind eine streng und besonders geschützte Art. § 44 des BNatSchG besagt, dass Bibern nicht nachgestellt werden darf, sie nicht gefangen, verletzt, getötet oder während bestimmter Zeiten erheblich gestört werden dürfen. Darüber hinaus dürfen ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten nicht beschädigt, der Natur entnommen oder zerstört werden. Entsprechende Handlungen fallen unter die Verbotstatbestände des Bundesnaturschutzgesetzes.

    Wenn Sie bemerken, dass eine Biberlebensstätte (Damm, Bau) beschädigt oder zerstört wurde wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre zuständige untere Naturschutzbehörde. Die Kontaktdaten finden Sie nebenstehend.

  • Bitte fassen Sie das Tier nicht an und belassen Sie es am Fundort. Für fachkundige Unterstützung wenden Sie sich bitte unverzüglich an die zuständige UNB. Die Kontaktdaten finden Sie nebenstehend. Insbesondere dann, wenn ein naturschutzrechtlicher Verstoß bzw. eine Straftat wie eine illegale Tötung vermutet werden kann.

    Die UNB entscheidet über das weitere Vorgehen, je nach Umstand des Auffindens oder Zustand des Tieres.

  • In Thüringen gibt es die Möglichkeit ehrenamtlich als Biberberater oder Biberberaterin tätig zu werden. Die Ehrenamtlichen unterstützen die unteren Naturschutzbehörden im Bibermanagement. Die zeitliche und inhaltliche Gestaltung des Ehrenamts erfolgt je nach eigener Verfügbarkeit und Interesse.

    Mögliche Aufgabenbereiche sind:
    Beratung bei Konfliktfällen
    Umsetzung von Präventionsmaßnahmen
    Öffentlichkeitsarbeit
    Umweltbildung
    Kartierung von Biberrevieren

    Bei Interesse an einer Tätigkeit als Biberberater*in können Sie sich gerne an das Kompetenzzentrum Wolf, Biber, Luchs unter kompetenzwbl@tmuen.thueringen.de wenden. Im Rahmen einer kostenfreien Schulung zu den Grundlagen des Bibermanagements können Sie die nötigen Kenntnisse für das Ehrenamt erwerben.

    Eine weitere Möglichkeit sich für die Tierart Biber einzusetzen ist die Unterstützung beim Monitoring durch die Meldung von Bibersichtungen und –spuren (siehe "Wo können Sichtungen oder Spuren von Bibern gemeldet werden?").

  •  

    Biberhandbuch.de:
    http://biberhandbuch.de

    Biber beim NABU Thüringen:
    https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/willkommen-biber

     

    Quellen:
    Schwab, G. (2014). Handbuch für den Biberberater. Bund Naturschutz in Bayern
    Zahner, V., Schmidbauer, M., Schwab, G., & Angst, C. (2021). Der Biber: Baumeister mit Biss. SüdOst Verlag
    Görner, M. (Hrsg.; 2009). Atlas der Säugetiere Thüringens. Biologie – Lebensräume – Verbreitung – Gefährdung – Schutz. Jena

Kontakt Untere Naturschutzbehörden

UNB-Kontaktliste

Diese Seite teilen

Weitere Werkzeuge