Nationalpark Hainich

Gründungsjahr: 1997
Größe: 7.500 ha
Landkreise: Unstrut-Hainich-Kreis, Wartburgkreis
Schutzgebiete: Der Nationalpark Hainich ist Teil des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal. Das Gebiet des Nationalparks ist in die Schutzzonen 1 und 2 gegliedert (ThürNPHG §4). Der Nationalpark ist Teil sowohl des FFH-Gebietes „Hainich“ (Nr. 36, seit 2000) als auch des Vogelschutzgebietes (SPA) „Hainich“ (Nr. 14, seit 2007). Eine 1.573 ha große Teilfläche des Nationalparks gehört zur UNESCO-Weltnaturerbestätte "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas".
Lebensraum: Neben großflächigen Verbuschungsflächen weisen die Laubwälder mit ihrem hohen Totholzanteil einen außergewöhnlichen Arten- und Strukturreichtum auf. Der Hainich beeindruckt durch seine große Baumartenvielfalt und weist Kalk-Buchenwälder in einer Größe, Unzerschnittenheit und Ausprägung auf, wie sie an keiner anderen Stelle mehr zu finden sind.

Der Nationalpark Hainich ist eines der wertvollsten, naturbelassenen Buchenwaldrelikte weltweit. Diese Einzigartigkeit brachte ihm seinen Adelstitel ein - die Auszeichnung als Teil des UNESCO-Weltnaturerbes "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas". Auf einer Fläche von 7.500 Hektar bietet der Nationalpark rund 10.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten heute einen Lebensraum. Fast ohne Einflüsse des Menschen kann sich die Natur zurückholen, was ihr einst gehörte. Wenn man bedenkt, dass hier noch vor wenigen Jahrzehnten Soldaten für ihre Einsätze ausgebildet, Panzer erprobt und Raketen abgefeuert wurden, kann es kaum etwas Schöneres geben.
Auf dem Weg zum „Urwald mitten in Deutschland“
Der Hainich war jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet. Große Bereiche des Waldes wurden daher kaum betreten und nicht genutzt, so dass sich dort die Waldbestände ungestört entwickeln konnten. Am ursprünglichsten präsentiert sich der Wald in der Nähe der ehemaligen Schießbahnen.
Der Südteil des Hainich, der Kindel, wurde seit 1935 durch die Wehrmacht militärisch genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Bereich durch die sowjetische Armee noch einmal erweitert und erst 1991 zur zivilen Nutzung freigegeben. Die großen Kahlflächen sind durch das Militär entstanden. Aber wie sich zeigt, ist der Wald nur schwer zu ruinieren. Kraftvoll verwandeln sich im Nationalpark die Sukzessionsflächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes nach und nach in Wald. Hier ist gefragt, was der Mensch fast verlernt hat: Nichtstun und Geduld. Seither ist im Nationalpark eine Dynamik der Waldentwicklung zu beobachten – in Mitteleuropa eine seltene Gelegenheit.
Ein Teil der unzugänglichen Gebiete wurde selbst vom Militär nicht genutzt. Dort entwickelt sich der Urwald schon seit Jahrzehnten im Stillen.
Im bewirtschafteten Teil des Hainich, außerhalb des Nationalparks, ist naturnahe Waldbewirtschaftung Tradition. Seit Generationen pflegen die Laubgenossen und Förster den Plenterwald, in dem die stärksten Bäume, einzelbaumweise gefällt werden. Derart forstliche und biologische Nachhaltigkeit ist ein eindrucksvolles Beispiel für ökologisch wertvollen Wirtschaftswald.
Geburtsstunde des Nationalpark Hainich
In den vier Jahren zwischen der ersten Idee 1993 und der Verabschiedung des Gesetzes über den Nationalpark Hainich am 10. Dezember 1997 gab es eine Vielzahl von Aktivitäten: Infoveranstaltungen, Diskussionen, Informationsfahrten, Fachplanungen, Prüfauftrag im Koalitionsvertrag, Veröffentlichungen, Tagungen, Eröffnung eines "Informationszentrums" und vieles mehr. Am 1. Oktober 1996 beschloss die Thüringer Landesregierung ein "Integriertes Schutzkonzept für den Hainich" mit dem Ziel einer Nationalparkausweisung. Im Mai 1997 besuchte Angela Merkel als damalige Bundesumweltministerin zusammen mit dem Verteidigungsminister Volker Rühe das Gebiet; beide waren beeindruckt von den naturnahen Buchenwäldern. Das Gesetz über den Nationalpark Hainich trat am 31. Dezember 1997 in Kraft, so dass der Hainich immer an Silvester Geburtstag hat. Nach der Gründungsveranstaltung am 28. Februar 1998 in Kammerforst nahm die Nationalparkverwaltung ihre Arbeit in Bad Langensalza auf.

Weitere Informationen
- Thüringer Gesetz über den Nationalpark Hainich: vom 19.12.1997, im Portal Landesrecht
- Thüringer Verordnung zur Änderung der Größe und Gliederung der Schutzzonen im Nationalpark Hainich
- Thüringer Verordnung über die Ausübung der Jagd im Nationalpark Hainich
- Evaluierung des Nationalparks Hainich 2013
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