Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal

Gründungsjahr: 1990
Größe: 85.800 ha
Landkreise: Landkreis Eichsfeld, Unstrut-Hainich-Kreis, Wartburgkreis
Schutzgebiete:
1 Nationalpark „Hainich“ (7.513 ha)
1 Landschaftsschutzgebiet „Obereichsfeld“ (38.503 ha)
1 Landschaftsschutzgebiet „Mühlhäuser Stadtwald“ (anteilig mit 2.807 ha)
15 Naturschutzgebiete (insgesamt 1.432 ha)
17 FFH-Gebiete (anteilig mit 21.470 ha)
4 Vogelschutzgebiete (SPA) (anteilig mit 25.480 ha)
1 Nationales Naturmonument (anteilig mit 854 ha)
2 Naturwaldreservate
Lebensräume:
Obereichsfeld: Plateaulagen mit tiefeingeschnittenen Tälern prägen das Gebiet. Kalk-Buchenwälder wechseln mit oft strukturreichen landwirtschaftlich genutzten Flächen und eingestreuten Siedlungen mit ihren historischen Fachwerkbauten. Besonders hervorzuheben sind die natürlichen Eibenvorkommen, die zu den bedeutendsten in ganz Deutschland gehören. Der Waldanteil beträgt ca. 40%. Auf den offenen Plateaulagen dominieren landwirtschaftliche Flächen.
Hainich: Das fast geschlossene Waldgebiet ist überwiegend von naturnahen Kalk-Buchenwäldern bedeckt. Durch die Jahrhunderte währende Plenterwaldbewirtschaftung hat sich einzigartiger Buchenhochwald entwickelt. Im Nationalpark Hainich soll sich ein Buchenurwald entwickeln. Teile der Kernzone des Nationalparks wurden im Jahr 2011 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.
Werratal: Das tiefeingeschnittene Tal der Werra prägt diesen Landschaftsraum. Die tiefliegenden Auelagen und die südexponierten Werrahänge zeichnen sich durch ein begünstigtes Kleinklima aus. Wärmeliebende Obstkulturen und Streuobstwiesen sind typisch für das Werratal. Eine Besonderheit sind die trockenrasenreichen Felshanglagen mit ihren Orchideen und weiteren submediterranen Pflanzenarten.

Der Naturpark in der Mitte Deutschlands vereint drei ganz unterschiedliche Landschaften:
Im Norden präsentiert sich das Eichsfeld als eine bergige Natur- und Kulturlandschaft, mit einem Mosaik aus naturnahen Wäldern, Wiesen, Streuobstwiesen und Feldern. Reich und vielfältig ist die Tier- und Pflanzenwelt. Die aus Buntsandstein und Muschelkalkberge, mit ihren Plateauflächen, Steilhängen, Schluchten und Tälern zeigen eine große Vielfalt an natürlichen Waldgesellschaften, von denen der Orchideen-Buchenwald mit seinen wärme- und lichtliebenden Arten zu den interessantesten gehören. Sehr bedeutsam sind die natürlichen Vorkommen der Eibe, die im Eichsfeld die größten Bestände Deutschlands bilden. Die aus dem Muschelkalk entspringenden, zahlreichen Quellen, zeigen eindrucksvolle Kalktuffbildungen. Sie beherbergen ganz spezielle Lebensgemeinschaften aus verschiedenen Moosarten und einer hochspezialisierten Wirbellosen-Fauna. Hier können Tiere beobachtet werden, die es schon in den Gewässern der letzten Eiszeit gab. Eine wirkliche Charakterart der Kalkquellbäche und der angrenzenden Buchenwälder ist der Feuersalamander.
Der Hainich ist das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Der südliche Teil wurde zum gleichnamigen Nationalpark erklärt. Hier kann sich der Wald ohne Nutzung, ganz natürlich zum Urwald entwickeln. Er ist Heimat solcher Pflanzen, Tiere und Pilze, welche alte sowie natürlich absterbende und abgestorbene Bäume zum Leben brauchen. Dazu zählen hochgradig gefährdete Totholzkäfer und zahlreiche seltene holzbewohnende Vertreter aus dem Reich der Pilze. Die im Holzmulm lebenden Insekten sind zugleich Nahrungsgrundlage für sieben hier vorkommenden Spechtarten und weitere Vogelarten.
Das Werratal wird vom Fluss Werra geprägt. Seine fruchtbaren Auenböden werden seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutzt. Besonders die bis heute beweideten Auenwiesen sind wertvolle Lebensräume für Wiesenvögel. An manchen Stellen kann noch eine natürliche Flussdynamik und Entwicklung von Auenlebensräumen beobachtet werden. Vielerorts wird der Fluss von steilaufragenden Kalksteinfelsen flankiert, in denen selbst Wanderfalken und Uhus ungestört brüten können. Auf Felskuppen und an der Sonne zugewandten Felshänge lassen sich Orchideen und andere wärmeliebende Pflanzen entdecken.
Im Umfeld des Hainichs sowie im Werratal kommt die in Thüringen vom Aussterben bedrohte Gelbbauchunke vor. Außerdem ist im Naturpark mit der Geburtshelferkröte eine weitere stark gefährdete Amphibienart zu Hause. Für den Erhalt beider Arten trägt der Naturpark eine große Verantwortung, welcher man mit der Umsetzung geeigneter Schutzprojekte gerecht wird.
Ein Ziel des Naturparks ist es außerdem die Erhaltung der noch vorhandenen, ursprünglich durch bäuerliche Landnutzung entstandene Kulturlandbiotope. Diese machen den Reiz der Landschaft aus und sind die Lebensgrundlage einer schützenswerten Fauna und Flora. Die an Orchideen reichen Kalkmagerrasen, Flachlandmähwiesen, Feucht- und Nasswiesen, Streuobstwiesen und extensiv genutzte Ackerbiotope können nur durch bestimmte Nutzungsformen oder adäquater Pflege, durch spezielle Beweidung und nur im Einvernehmen mit der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung erhalten werden.
Die Vielfalt an Lebensräumen im Naturpark bedingt auch eine artenreiche Vogelwelt. Unter anderem sind hier beide europäische Storcharten beheimatet. Während der Weißstorch auf den Wiesen der Werraaue ein gewohnter Anblick ist und gern Dächer im menschlichen Siedlungsbereich als Neststandort nutzt, führt der Schwarzstorch ein eher heimliches und scheues Leben in den schwer zugänglichen Waldgebieten. An den Waldbächen brüten Wasseramseln und Gebirgsstelzen. In den Wiesen der Werraaue ist dagegen die Schafstelze zu Hause.

Mehr Infos: https://www.naturpark-ehw.de/
Diese Seite teilen
Weitere Werkzeuge