Der Naturpark Kyffhäuser

Gründungsjahr: 2008
Größe: 30.500 ha
Landkreise: Kyffhäuserkreis, Nordhausen, Sömmerda
Lebensräume: Artenreiche steppenartige Magerrasen, von Orchideen gesäumte Steilhänge, ausgedehnte Buchenwälder, artenreiche Avifauna, Obstsortengarten, vielfältige Karsterscheinungsformen wie Höhlen, Erdfälle und Salzquellen

Im Norden Thüringens, lädt der Naturpark Kyffhäuser zur Erholung ein. Die Landschaft ist von Laubwald und Gipskarst geprägt und spiegelt das jahrhundertlange Zusammenspiel von Klima, Geologie und menschlicher Nutzung wider. Tausende Obstbäume verzaubern im Frühjahr mit einem Meer duftender Blüten. Je nach Jahreszeit kann man Adonisröschen, Orchideen, Federgräser oder Kraniche sehen und erleben.
Das Haus auf der Kippe
Dies mag das Wörtchen "Kipphus" bedeuten, aus dem sich der Name Kyffhäuser entwickelte. Das kleine Gebirge, in dem sich der Sage nach Kaiser Barbarossa (1122–1190) versteckt hält, gibt auch dem Naturpark Kyffhäuser seinen Namen. Doch nicht nur der Berg hat eine Geschichte. Die verschiedenen Landschaften des Naturparks spiegeln ein Jahrhunderte langes Zusammenspiel von Klima, Untergrund und menschlicher Nutzung wider. Holzbedarf der Salzwerke und Kupferhütten sowie jahrhundertelange Schafbeweidung waren Geburtshelfer für einen Artenreichtum, der in Mittel-Europa seines Gleichen sucht.
Wo Kraniche rasten und Federgräser der Steppe wachsen
Der Naturpark Kyffhäuser liegt im Norden Thüringens und hat eine Größe von 30.500 ha. Hier gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Landschaften zu entdecken. Als Teil des Kyffhäusergebirges strahlt die Zechstein-Landschaft einen eigenen Charakter aus. Die kargen Steppenrasen erinnern an baumarme, mongolische Landschaften und beherbergen bunte Schätze wie das Frühlings-Adonisröschen und die Violette Schwarzwurzel. Hier blühen über 1.000 Pflanzenarten, viele davon stehen heute in der Roten Liste – eine für Mitteleuropa einzigartige Naturausstattung. Das bedeutendste Wiesenbrüter- und Vogelrastgebiet Thüringens ist in die Landschaft der Goldenen Aue eingebettet. Tausende Kraniche stärken sich hier auf ihrem Weg nach Süden. Thüringens größte Binnensalzstellen beherbergt das Esperstedter Ried in der Diamantenen Aue. Seltene Pflanzen und Tiere, die mit Salz im Boden leben können, begegnen uns in diesem Gebiet. Im Spätsommer verwandeln Strandaster, Strand-Dreizack und Strand-Milchkraut die Wiesen in ein Blütenmeer.
Die Hainleite ist die Heimat der Wildkatze. Mit seinen geschlossenen Buchenwäldern ist dieser Höhenzug aus Muschelkalk einer der wenigen Rückzugsorte dieses scheuen Tieres. Einen Canyon gleich erscheint der Wipperdurchbruch. Der kleine Fluss Wipper hat sich hier durch die Hainleite gegraben und steile Muschelkalkhänge geschaffen. Sie sind bekannt für ihren Orchideenreichtum. Auf der Windleite, einem Buntsandsteinhöhenzug, wechseln sich Acker-, Gehölz-, Hutungs- und Weideflächen ab. In diese Landschaft eingeflochten sind Sandtrockenrasen, die so artenreich nur noch selten in Thüringen zu finden sind.
Vom Naherholungsgebiet zur Region mit nachhaltiger Entwicklung
Das einstige Naherholungsgebiet für die ehemaligen Bezirke Halle, Leipzig und Erfurt beherbergt neben seiner besonderen naturräumlichen Ausstattung eine Vielzahl kulturhistorischer Sehenswürdigkeiten. Das Kyffhäuser-Denkmal, die Barbarossahöhle, der Possen und das Panorama Museum locken jährlich Hunderttausende Besucher in die Region. Neu ausgeschilderte Wanderwege führen die Besucher zu Naturschönheiten und kulturellen Höhepunkten. Der Leuchtturm der Wege ist der Kyffhäuserweg, als Zertifizierter Rundweg und Markenbotschafter für Thüringen verbindet er die Superlativen der Region mit der einzigartigen Natur. – Auf 37 Kilometer zeigt er sowohl die Barbarossahöhle, das Barockdorf Bendeleben, das Kyffhäuserdenkmal, das Panorama Museum als auch Adonisröschen, Kuhschellen, Federgräser und Kraniche.
Die durch die Naturparkverwaltung geschaffenen Angebote gehen jedoch über einfache Wanderwege hinaus. Zu entdecken sind unter anderem: ein Salzpfad für geh- und sehbehinderte Personen in der Kurstadt Bad Frankenhausen, ein Waldpfad am Kyffhäuser-Denkmal, die Naturparkstation,ein Naturerlebnisgelände am Südhang des Kyffhäusergebirges, ein frei zugänglicher Obstsortengarten auf dem historischem Schlachtberg und Vogelbeobachtungsmöglichkeiten in der Helmeaue.
Das flächendeckende Besucherleitsystem begleitet diejenigen, die auf eigene Faust, gut vorbereitet durchs Internet und durch eine eigene Kyffhäuser-App oder den Besuch einer Touristinformation, ihr Ziel suchen. Für sie stehen Wanderparkplätze, Infopavillons, Wander- und Infotafeln sowie ein reichhaltiges Angebot an Faltblättern, Wanderkarten und Broschüren zu Verfügung.
Natürlich bietet die Naturparkverwaltung auch Exkursionen zu Schönheiten der Region an und gibt interessante Erläuterungen. Vorträge, botanische und ornithologische Führungen und die jährlichen Kranichwanderungen sind hier besonders zu nennen. Auch Schulen und Vereine nutzen die vielfältigen Angebote.

Besondere Projekte
Unter dem Dach des GeoParks Kyffhäuser werden seit 2005 Angebote für geologisch Interessierte geschaffen, alles in Obhut der Naturparkverwaltung. Die sogenannten GeoPfade führen entlang geologischer Besonderheiten. Zu Fuß oder mit dem Rad kann der Besucher «Unerwartete Begegnungen auf steinigen Wegen» erleben. Die gleichnamige Broschüre erzählt dazu Geschichten.
Eine durch den Naturpark ins Leben gerufene mobile Mosterei presst seit 2000 jährlich die Früchte der Anwohner der Region zu hochwertigem Apfel- und Birnensaft. Ihre Nutzung ist mittlerweile fester Bestandteil im Jahresablauf vieler Menschen. So wird ein Beitrag zur Erhaltung der wertvollen Streuobstwiesen der Region geleistet.
Der Obstsortengarten auf dem Schlachtberg untermauert die Tradition und die Verbundenheit der Region zum Thema Obst. Seit dem Jahr 2000 wächst seine Fläche ständig. Auf heute 20 Hektar Fläche werden ca. 2.000 Obstbäume mit 800 Sorten für die Nachwelt erhalten.
Die Kyffhäuserlinse wurde vom Tilledaer Otto Creutzmann um 1920 gezüchtet und als einzige Linse Deutschlands bis heute als Hochzucht zugelassen. Sie geriet nach dem Zweiten Weltkrieg leider in Vergessenheit. Mit dem Vorbild der Schwäbischen Alp-Leisa, wurde mit 100 Samenkörnern aus der Genbank und dem nötigen Engagement 2017 eine Idee geboren.
Regionale Produktion mit bewährten Sorten, abseits vom Mais und Raps soll hochwertiges pflanzliches Eiweiß auf bestens dafür geeigneten Böden mit Wasserknappheit als Vorteil produziert werden. Eine Vorbildlandschaft, die ihren Namen zu recht trägt – der Naturpark Kyffhäuser!
Die Zukunft: Als eines von 17 Deutschen UNESCO-Biosphärenreservaten wäre die Region Südharz Kyffhäuser bestens aufgestellt für die Herausforderungen unserer Zeit.
Zuversicht und Hoffnung machen Lust auf neue Aufgaben.
Weitere Informationen
- Thüringer Verordnung über den Naturpark Kyffhäuser
Mehr Infos: https://www.naturpark-kyffhaeuser.de/
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